ALTSTÄTTER
KONZERTZYKLUS

Sonntag, 27. Mai 2018
19.00 Uhr
Chunrat – Haus der Musik, Altstätten
Churerstrasse 51

Klavierrezital

Lisa Maria Schachtschneider

180517_LisaSchachtschneider

Lisa Maria Schachtschneider wurde in Berlin geboren, wuchs in Hamburg auf und erhielt dort ihren ersten Klavierunterricht im Alter von 5 Jahren an einer Musikschule.

Während ihrer Studienzeit bei Professor Wolfgang Manz in Nürnberg (musikpädagogisches Diplom) und bei Professor Bernd Glemser in Würzburg (künstlerisches Diplom und Konzert-Diplom) ist Lisa Maria Schachtschneider mit grossem Erfolg in vielen Städten Deutschlands und in Kanada aufgetreten.

In Deutschland war das unter anderem im Fürther Stadttheater mit dem Kammerorchester „Academia Sancta Katherina“ unter der Leitung von Werner Andreas Albert, im grossen Saal der Nürnberger Meistersingerhalle, im Kempinski Hotel in Falkenstein, bei einem Open-Air Konzert im Erlanger Schlossgarten, im historischen Nürnberger Rathaussaal, im Dom- und Diözesanmuseum Trier, in der Klaviermanufaktur Steingraeber&Söhne in der Konzertreihe „Junge Meisterpianisten“ in Bayreuth, bei den Klosterkonzerten Maulbronn und im Gredinger Rathausfoyer.

In Kanada trat sie unter anderem in der University of British Columbia auf.

Lisa Maria Schachtschneider konnte zahlreiche Stipendien und sowohl hochschulinterne, als auch nationale und internationale Preise erringen.

Sie ist Preisträgerin des internationalen Klavierwettbewerb „Concorso Internazionale di esecuzione strumentale e vocale Premio Rovere D´oro“ 2011, erhielt einen Förderpreis der Musikhochschule Nürnberg für besondere Leistungen in der Studienrichtung Musikpädagogik, den 1. „Musikförderpreis“ der Hans-Sachs-Loge Nürnberg, einen Kammermusik-Förderpreis des Mozartverein Nürnberg, den „Leonhardt und Ida Wolf Gedächtnispreis zur Förderung herausragender junger Künstler in den Städten Nürnberg und Fürth sowie im Bezirk Mittelfranken“ und war Stipendiatin der Stiftung „live music now“.

Studienbegleitend nahm sie an Meisterkursen und Klavierakademien renommierter Professoren teil, unter anderem bei Dmitri Bashkirov, Karl-Heinz Kämmerling, Lev Naumov, Oxana Yablonskaja, Vitaly und Jura Margulis, Cécile Ousset, Felix Gottlieb, Stanislav Pochekin, Boris Petrushanski, Lev Natochenny, Marta Guliash, Claude Frank und Peter Feuchtwanger.

Von 2009 bis 2014 hatte Lisa Maria Schachtschneider einen Lehrauftrag im Fach Klavier am Institut für Musikpädagogik der Universität Würzburg und von 2012-2015 einen Lehrauftrag für Klavier an der Musikhochschule Würzburg.

Seit 2013 lebt Lisa Maria Schachtschneider in Altstätten im St. Galler Rheintal in der Schweiz, konzertiert regelmässig in der Schweiz und in Deutschland und hat eine Stelle als Klavierlehrerin an der Musikschule Oberrheintal.

Programm

Lisa Maria Schachtschneider moderiert das Konzert

Franz Schubert (1797-1828)
Vier Impromptus op. posth. 142 (D 935), komponiert 1827
1. „Allegro moderato“, f-moll
2. „Allegretto“, As-Dur
3. „Andante und Variationen“, B-Dur
4. „Allegro scherzando“, f-moll

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)
„Variations sérieuses“ op. 54, d-moll, komponiert 1842

Pause

 Franz Liszt (1811-1886)
„Liebestraum“ Nr. 3 As-Dur 
„Poco Allegro, con affetto“, komponiert 1850 
„Venezia e Napoli“,
komponiert 1861
1. „Gondoliera“: „Quasi Allegretto“
2. „Canzone“: „Lento doloroso“
3. „Tarantella“: „Presto“
„Études d’exécution transcendante“ Nr. 10 f-moll („Appassionata“)
„Allegro agitato molto“, komponiert 1852

Werkbeschreibung

Franz Schubert: Vier Impromptus op. posth. 142 (D 935)

1827, ein Jahr vor seinem Tod im Alter von 31 Jahren, komponierte Franz Schubert unter anderem acht lyrische Klavierstücke, die er in zwei Zyklen von je 4 Stücken unterteilte. Der erste Zyklus hat die Opus Nummer (Werknummer) 90 (D 899) und der zweiten Zyklus die Opus Nummer 142 (D 935). Dieser zweite Zyklus wurde erst nach Schuberts Tod veröffentlicht und heißt deshalb opus posthum 142 (op. posth. 142).

Schubert war zum Zeitpunkt dieser Kompositionen schon sehr krank und dadurch, dass er seinen frühen Tod vielleicht bereits erahnte, von innerer Unruhe erfüllt. Diese Unruhe äußerte sich auch darin, dass er im Kompositionsjahr drei oder viermal innerhalb Wiens umzog. Reisen, Wandern und die damit verbundene innere Unrast sind zentrale Themen in Schuberts Werken. Seinen berühmten Liederzyklus „Die Winterreise“ komponierte er im selben Jahr wie die Impromptus. Gerade im 1. Impromptu op. 142 in f-moll erinnern die ständig weiterströmenden Sechzehntelnoten an einen Reisenden. Der Tonart f-moll wurde damals der Charakter von „tiefer Schwermuth“ und „grabverlangender Sehnsucht“ zugeschrieben. (Schubart 1784/85). Das zweite Impromptu ist ein intimes Allegretto in As-Dur. Das dritte Impromptu in B-Dur ist als Variationswerk auf ein damals sehr bekanntes Lied-Thema (aus dem romantischen Schauspiel Rosamunde) komponiert. Das 4. Impromptu, wie das 1. Impromptu wieder in der Tonart f-moll notiert, ist ein nur oberflächlich heiteres Capriccio, welches den Hörer mit vielen Läufen und Akzenten auf sehr bewegte Weise auf eine dramatische Schlusssteigerung hinführt.

Die aus dem Französischen kommende Bezeichnung Impromptu bedeutet „Improvisation“, „Augenblicklicher Einfall“ und deutet auf einzelne, in sich abgeschlossene Stücke hin. Trotzdem waren die 4 Impromptus op. 142 von Schubert wahrscheinlich als 4-sätzige Sonate konzipiert und weniger als Einzelstücke gedacht. Nur ließen sie sich als auch einzeln spielbare Impromptus besser verkaufen.

Die ausnahmslos in B-Tonarten stehenden Impromptus gehören zu Schuberts bekanntesten und populärsten Werken für das Klavier. Sie prägten seinen Ruf als Komponist gehobener Hausmusik und werden bis heute häufig gespielt.

 

 Felix Mendelssohn Bartholdy: „Variations sérieuses“ op. 54, d-moll

Der Anlass für Felix Mendelssohn Bartholdy, 1841 mit den „Variations sérieuses“ sein erstes Variationswerk zu komponieren, war eine Spendensammlung für ein Beethoven-Denkmal in Bonn. Da Ludwig van Beethoven ein berühmter Meister im Komponieren von Variationswerken war, setzte Mendelssohn ihm mit den „Variations sérieuses“, unabhängig vom eingenommenen Geld, auch ein kompositorisches Denkmal.

Zu Mendelssohns Zeit war es unter den Komponisten sehr beliebt, auf allseits bekannte Opernmelodien sehr virtuose Variationen zu komponieren, die hauptsächlich dazu dienten, den Pianisten ins rechte „Virtuosen-Licht“ zu setzen und seine großen Spielfertigkeiten zu betonen.

Mit seinen „Variations sérieuses“ wollte Mendelssohn sich von diesem Brauch bewusst distanzieren und gab seinem Werk deshalb auch den Namen „Variations sérieuses“ („ernsthafte Variationen“). Er komponierte ein wunderschön schwermütiges, streng gegliedertes Thema, dass er in den folgenden 17 Variationen nach allen Regeln der Kunst durch Beschleunigung oder Verlangsamung, Synkopen, Staccati, Akkorde und Arpeggien verwandelt.

Die „Variations sérieuses“ gelten als Mendelssohns bedeutendstes Klavierwerk.

 

Franz Liszt: „Liebestraum“ Nr. 3 As-Dur/„Venezia e Napoli“/„Études d’exécution transcendante“ Nr. 10 f-moll („Appassionata“)

Der zweite Teil des Programmes ist Franz Liszt und der Liebe gewidmet. In den gespielten Werken kommt romantische, sehnsüchtig verlangende, erotische, tragische und verzweifelte Liebe zum Ausdruck.

Liszt selber war zu seiner Zeit nicht nur berühmter Klaviervirtuose, sondern auch berüchtigter Frauenschwarm. Liebe in all ihren Facetten spielt in den meisten seiner Werke eine sehr wichtige Rolle.

Der „Liebestraum“ ist das dritte und bekannteste Stück einer Reihe von drei 1850 komponierten Solo-Klavierstücken. Als Vorlage für den „Liebestraum“ diente Liszt sein Kunstlied „O lieb, so lang du lieben kannst“ mit dem berührenden Text von Ferdinand Freiligrath:

O lieb‘, solang du lieben kannst!
O lieb‘, solang du lieben magst!
Die Stunde kommt, die Stunde kommt,
Wo du an Gräbern stehst und klagst!

Und sorge, daß dein Herze glüht
Und Liebe hegt und Liebe trägt,
Solang ihm noch ein ander Herz
In Liebe warm entgegenschlägt!

Und wer dir seine Brust erschließt,
O tu ihm, was du kannst, zulieb‘!
Und mach‘ ihm jede Stunde froh,
Und mach ihm keine Stunde trüb!

Und hüte deine Zunge wohl,
Bald ist ein böses Wort gesagt!
O Gott, es war nicht bös gemeint, –
Der andre aber geht und klagt.

1859 komponierte Liszt den dreiteiligen Zyklus „Venezia e Napoli“ als Nachtrag zum zweiten Jahr seiner „Années de pèlerinage“ („Wanderjahre“, eine Sammlung von 26 Klavierstücken). Dieses zweite Jahr der Sammlung ist Italien gewidmet. Das erste Jahr ist übrigens der Schweiz gewidmet.

Dem ersten Stück, der „Gondoliera“ liegt das venezianische Volkslied „La bionda in gondoletta“ („Die Blondine in der Gondel“) zugrunde. Es geht um einen verliebten Gondoliere in Venedig, der seine Angebetete zu einer Gondelfahrt mitgenommen hat, um sie dabei zu verführen. Die Schöne schläft allerdings auf der Gondel ein und der Gondoliere lässt sie ruhen.

Die „Canzone“ zitiert Gioachino Rossinis Oper „Othello“. In der Oper geht es um die tragische Geschichte des in Venedig stationierten Feldherren Othello und seine heimliche Geliebte Desdemona. Hinterhältige Intrigen lassen Othello fälschlicherweise glauben, Desdemona habe ihn betrogen und er ersticht sie. Kurz vor dem Mord erklingt im Hintergrund das Lied eines Gondoliers „Nessun maggior dolore/che ricordarsi del tempo felice/ne la miseria“ („Kein größerer Schmerz als sich erinnern glücklich heiterer Zeit im Unglück“). Dieses Lied ist die Melodie der „Canzone“.

Das letzte Stück des Zyklus, die „Tarantella“, spielt, wie der Name „Venezia e Napoli“ schon sagt, in Neapel. Einer neapolitanischen Sage nach musste man, wenn man von einer Tarantel gebissen wurde, so lange einen wilden Tanz aufführen, bis man das Gift wieder ausgeschwitzt hatte. Die Tarantella ist dieser Tanz. Den Mittelteil des Stückes bildet ein reich ornamentiertes neapolitanisches Volkslied.

„Etudes d’exécution transcendante“ („Transzendentale Etüden“) ist der Titel eines Zyklus von zwölf großen Klavieretüden Liszts. Die Etüden liegen in drei unterschiedlichen Fassungen vor. Die erste Fassung entstand 1826, gefiel aber aufgrund des extrem hohen Schwierigkeitsgrades seinen Berufskollegen, unter anderen auch Clara und Robert Schumann, nicht besonders gut. Er überarbeitete die Etüden deshalb zweimal und die heute gespielte Version wurde 1851 oder 1852 fertiggestellt. Der Name „Transzendental“ bedeutet in etwa „etwas, das außerhalb unserer Vorstellungswelt sei“ und Liszt wollte sich mit diesen Etüden gegen den Vorwurf eines Musikkritikers wehren, der ihm sinngemäß sagte, dass er zwar ein „überragender Vertreter“ der  alten Schule sei, aber, im Gegensatz zu seinem Erzrivalen Sigismund Thalberg nichts wirklich Neues zustande brächte. Die 10. Etüde in f-moll hat Frederic Chopins Etüde op. 10 No. 9, ebenfalls in f-moll, zum Vorbild. Liszts Etüde hat thematische Bezüge zu seiner „Dante-Sonate“, die einen Aufenthalt in der Hölle zur Darstellung bringt. Es wird die Verzweiflung eines Menschen geschildert, der in auswegloser Situation ein Verhängnis auf sich zukommen sieht, in dem er ohne die geringste Hoffnung auf Rettung untergehen wird. Wegen der sich schnell eng übereinander bewegenden Hände an vielen Stellen des Stückes wird die Etüde unter Pianisten auch scherzhaft „Krebsliebe“ genannt.

Informationen

Eintritt frei – Kollekte