ALTSTÄTTER
KONZERTZYKLUS

Sonntag, 1. Mai 2016
17.00 Uhr
Evangelische Kirche Altstätten

Kammerorchester
St.Gallen

Werke von Bach, Haydn, Mozart
Vital Julian Frey, Cembalo
Mathias Kleiböhmer, Leitung

das Programm

Joseph Haydn (1732 – 1809)
Concerto all’Ungherese, D-Dur, Hob. XVIII:11
Vivace – un poco Adagio – Rondo all’ungherese

Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791)
Sinfonie Nr. 29 A-Dur KV 201
Allegro moderato – Andante – Menuetto – Allegro con spirito

Johann Sebastian Bach (1685 – 1750)
Cembalokonzert in d-moll BWV 1052
Allegro – Adagio – Allegro

die Ausführenden

das kammerorchester sankt gallen

Das Orchester wird gelobt für seine ansteckende Spielfreude, seine spannenden, teils ungewöhnlichen Programme, welche auch an ungewohnten Örtlichkeiten zur Aufführung kommen. Weiter setzt sich das Orchester zum Ziel, mit konstanter Orchesterarbeit insbesondere auch jugendlichen Musikerinnen und Musikern Erfahrungen im Ensemblespiel und somit eine eigentliche Orchesterschulung zu ermöglichen. Dabei steht die Freude am gemeinsamen Musizieren im Zentrum und die Konzerte sind Resultate von getragener Zusammenarbeit aller Profis und Laien.

Musikerinnen und Musiker
Violine
Eveleen Olsen (Konzertmeisterin),
Esther Hauser (Stimmführung 2. Violinen),
Regula Benz, Martina Bleiker,
Annina Bühlmann, Rahel Dörnenburg,
Jenni Ro, Eva Senn, Barbara Signer Huf,
Nora Tormen

Viola
Lukas Gugger (Stimmführung),
Judith Ammann, Lisa Brassel,
Clemens Jäger

Violoncello
Christine Meyer (Stimmführung),
Holger Brenneisen, Friedemann Honecker,
Regula Ursprung

Kontrabass
Denis Brkic

Leitung
Mathias Kleiböhmer

 Konzertmeisterin Eveleen Olsen lebt und arbeitet in Zürich. Sie studierte Violine an der Musikhochschule Luzern und absolvierte 2009 mit Auszeichnung den Master für Barockgeige bei Rachel Podger am Royal Welsh College of Music and Drama in Wales. In der Saison 2010 und 2011 war sie Mitglied des European Union Baroque Orchestra und gab europaweit Konzerte, u. a im Royal Concertgebouw, in der Casa da Musica, Porto; am Malta Arts Festival. Zeitgleich begann Olsen in Schweizer Orchestern und Kammermusikensembles mitzuwirken, darunter im Orchester le phénix, in La Chapelle Ancienne und als Konzertmeisterin im kammerorchester sankt gallen. Seit 2012 unterrichtet sie an der Stadtmusikschule Solothurn.

der Dirigent

Mathias Kleiböhmer studierte Violoncello bei Claude Starck in Zürich und Peter Hörr in Bern. Er besuchte Weiterbildungen und Masterclasses bei Kim Bak Dinitzen, Yo-Yo Ma, Wolfgang Boettcher, Frans Helmersson und Anner Bylsmer und ist seit 2002 Solocellist der Kammerphilharmonie Graubünden. Erste Dirigierkurse besuchte Mathias Kleiböhmer bereits während der Schulzeit bei Prof. W. Weiss, seit 2010 bildet er sich bei Massimiliano Matesic an der Musikhochschule Freiburg weiter. Er setzt sich ständig sowohl mit barocker Spielpraxis als auch mit modernem Orchesterspiel auseinander. Neben Auftritten mit verschiedensten Ensembles in der Schweiz führt ihn seine rege Konzerttätigkeit oft nach Deutschland. Seit 2009 ist er Intendant des Sommerfestivals «flimserstein.ch» in Flims. Mathias Kleiböhmer begeistert sich für Natur, Tiere, Menschen, neue Ideen, alte Instrumente, neue Architektur und Altbauten.

der Solist

Vital Julian Frey gilt heutzutage als einer der gefragtesten Cembalisten, Kammermusiker und Ensemble-Leiter. Seine Ausbildung erhielt er bei Christine Schornsheim und Robert Hill, prägende Einflüsse hatten auch Christophe Rousset und Gustav Leonhardt. Technische Souveränität und ein hohes musikalisches Niveau sind ebenso seine Markenzeichen wie eine überzeugende Bühnenpräsenz und ein persönlicher Kontakt zum Publikum. Als Solist ist er u.a. bei Lucerne Festival, Bachfest Leipzig, Menuhin Festival Gstaad, Bachwochen Thüringen, Les Muséiques Basel und Mozartfest Würzburg aufgetreten. Mit seiner erfolgreichen Konzerttätigkeit leistet er einen entscheidenden Beitrag, das Cembalo in der klassischen Musikszene neu zu positionieren. Besonders beliebt ist Freys Angebot für Kinder und Jugendliche: Mit seinen Workshops, die er bei Konzerten anbietet, hat er bereits vielen Kindern einen neuen Zugang zum Cembalo eröffnet. Die künstlerische Tätigkeit von Vital Julian Frey findet auch bei der Presse grosse Anerkennung: «er kann, was unmöglich schien» (Sonntagszeitung), «ein grandioser Cembalist» (Thüring-ische Landeszeitung), «filigrane Lebendigkeit» (Neue Zürcher Zeitung), «der wohl beste Cembalist der Schweiz» (Berner Oberländer), «er meisterte selbst die schwierigsten Variationen mit Leichtigkeit» (Frankfurter Allgemeine).

Quelle: www.vitalfrey.com

das Konzert

Joseph Haydn (1732 – 1809) verbrachte einen beträchtlichen Teil seines Lebens (von 1761 – 1790) am Hofe der ungarischen Adelsfamilie Estherházy. Gerne kokettierte er dabei selbst, dass er in der Abgeschiedenheit der Residenzen der Estherházy «original» werden musste: «Ich war von der Welt abgesondert, niemand in meiner Nähe konnte mich an mir selber irre machen und quälen, und so mußte ich original werden». Allerdings stand Haydn auch während seiner Anstellung in regem Kontakt mit der damaligen musikalischen Welt und verschaffte sich immer wieder neue Auftragskompositionen aus Nah und Fern. Da es Haydn dank seines guten Geschäftssinns zudem verstand, solche Auftragswerke in den Grossstädten Wien, London oder Paris veröffentlichen zu lassen, wurde er bald zu einer grossen Berühmtheit – nicht zuletzt auch deshalb, weil das städtische Bürgertum regelrecht nach Musikliteratur für den Eigengebrauch lechzte und Haydns Musik en masse nachfragte. Das 1784 in Paris veröffentlichte Cembalo-Konzert Nr. 11 in D-Dur ist in diesem Zusammenhang zu sehen. Es zeugt von Haydns Fähigkeit, ein qualitativ hochstehendes Werk zu schreiben, das genau den Erwartungen des Publikums entsprach und sich folglich bestens verkaufen liess. Dafür sprechen besonders deutlich der praktisch durchgehende Verzicht auf grenzenlose Virtuosität, der es eben auch vielen «Dilettanten» («sich vergnügende» Musikliebhaber) zugänglich machte, oder aber das äusserst eingängige Finale. Dieses ist in der Partitur mit «Rondo all’Ungharese» überschrieben, wohl da es mit seiner von schnellen Sechzehntel geprägten Tanzmelodie, den häufigen Synkopen oder plötzlichen Molleinfällen an die ungarische Volks- und Zigeunermusik erinnert.

Obwohl W. A. Mozart (1756 – 1791) seit 1772 der Salzburger Hofkapelle als Konzertmeister angehörte, war er bald darauf bedacht, seinen Bekanntheitsgrad und sein Entwicklungspotential zu steigern. Deshalb trachtete er danach, seinen Wirkungshorizont zu vergrössern, indem er etwa bereits Ende 1772 (er war also erst gerade angestellt worden) eine gut halbjährige Reise nach Italien unternahm, wo er sich unter anderem als Opern- und Instrumentalkomponist einen Namen machte. Die Hoffnung auf eine wirkungsvolle Anstellung wurde damit aber nicht erfüllt, und so kehrte er voll von Eindrücken und musikalischer Inspiration nach Salzburg zurück. Hier machte er sich in den Jahren 1773/74 daran, eine Reihe von neun Sinfonien zu schreiben. Obwohl unklar ist, für wen oder welchen Anlass diese entstanden sind, kann angenommen werden, dass Mozart sie – stets in der Hoffnung auf eine anderweitige Anstellung – für italienische Gönner oder gar den Hof in Wien komponierte. Wie dem auch sei, stehen die neun Sinfonien dadurch in demselben schöpferischen Kontext, dass Mozart in ihnen verschiedene Kompositionsprinzipien erprobt. Die Sinfonie in A-Dur KV 201 von 1774 bildet den künstlerischen Höhepunkt dieser Sinfonie-Reihe. Besonders deutlich wird dies etwa bereits im Kopfsatz an der abwechslungsreichen, auf starke Kontraste zielenden melodischen Erfindung, welche bald zu einem der unverkennbaren Charakteristika Mozarts wurde. Dies gilt ebenso für die nuancierten Klangfarben und die kontrapunktische Dichte bei Wahrung des galanten Gestus im Andante, das äusserst originelle Spiel mit der Dynamik im Menuett oder die effektvollen emporschnellenden Raketen (Figuren von Sechzehntel) im quirligen Finale.

Zusätzlich zu seiner Funktion als Kantor der Thomaskirche, übernahm J.S. Bach (1685–1750) im Jahre 1729 die Leitung des Collegium Musicum Leipzig. Dieses studentische Musikensemble vereinte gute Musiker, welche je ein Konzert höchster Qualität pro Woche veranstalteten. Für die Konzerte wurde erwartet, dass Bach jeweils neue Werke komponieren sollte. Da das Cembalo und das Konzertieren zu dieser Zeit sehr populär waren, wird es für Bach auf der Hand gelegen haben, publikumswirksame Cembalo-Konzerte für das Collegium Musicum zu schreiben (so wird sich auch Bach selbst auf dem Instrument profiliert haben wollen). Entsprechend ist das Konzert in d-Moll BWV 1052 durchaus auf den im Barock so beliebten dramatischen Kontrast zwischen Solo und Tutti ausgerichtet, der es dem Solisten erlaubte, seine Virtuosität zu offenbaren. In Verbindung mit dem aufgeregten Moll-Hauptthema entsteht dadurch im ersten Satz ein ungeheurer musikalischer Sog. Im zweiten Satz hingegen wird der Hörer durch die starke Expressivität, welche sich besonders in den Cembalo-Kantilenen zeigt, in Bann gezogen. Und im dritten Satz kommt man bei den vielen virtuosen Passagen nicht umhin, die Agilität des Interpreten zu bewundern.

Lion Gallusser

Informationen

Eintritt frei – Kollekte