ALTSTÄTTER
KONZERTZYKLUS

Sonntag, 24. März 2019
18.00 Uhr
Katholische Kirche Altstätten

STABAT MATER

für Chor, Soli und Orchester
von Antonin Dvořák (1841-1904)

Tünde Szabóki, Sopran
Szilvia Vörös, Mezzosopran
Leonardo Navarro, Tenor
Apostol Milenkov, Bass

Chorakademie Vorarlberg
Sinfonietta Vorarlberg

Markus Landerer, Leitung

Die Solisten

Tünde Szabóki, Sopran
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Szilvia Vörös, Mezzosopran
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Leonardo Navarro, Tenor
Navarro
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Apostol Milenkov, Bass
Milenkov
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Der Chor

Der Verein Chorakademie Vorarlberg hat es sich zum Ziel gesetzt, das vielseitige musikalische Angebot in Vorarlberg durch seine Konzerte zu bereichern und den Mitgliedern die Möglichkeit zu schaffen, ihre musikalischen und stimmlichen Fertigkeiten und Kenntnisse zu erweitern.

Die Chorakademie bietet ambitionierten und erfahrenen Chorsängerinnen und Chorsängern sowie Chorleiterinnen und Chorleitern aus Vorarlberg und den angrenzenden Ländern im Rahmen eines Projekts an, große Werke unter professionellen Rahmenbedingungen zu erarbeiten und zur Aufführung zu bringen.  In Projektphasen mit durchschnittlich 12 – 14 intensiven Proben – verteilt auf mehrere Monate –  erarbeitet der international tätige Chorleiter Markus Landerer, Domkapellmeister in St. Stephan in Wien, große und außergewöhnliche Chorwerke mit ausgewählten Chorsängerinnen und Chorsängern sowie erfahrenen und bekannten Solisten.

Der Verein Chorakademie Vorarlberg widmet sich mit seinen Sängerinnen und Sängern neben der Musik des Barock, der Klassik, der Moderne vor allem der Romantik. Neben Werken bekannter Komponisten sollen auch weniger bekannte Kostbarkeiten aufgeführt werden.

Die professionelle Chor- und Orchesterleitung unseres künstlerischen Leiters  schafft eine großartige Fortbildungsmöglichkeit für die ProjektteilnehmerInnen durch das aktive Tun und das Erleben, die Chorsängerinnen und Chorsänger sind Mitglieder in verschiedensten Chören in Vorarlberg und der Bodenseeregion und zum Teil selber Chorleiter bzw. Musikpädagogen. Damit ergibt sich neben dem Konzertgenuss der BesucherInnen auch eine Multiplikation von Wissen und Erfahrung.

Seit 2008 finden jährlich mit großem Erfolg Konzerte der Chorakademie Vorarlberg statt: in Bludenz und Götzis, im Festspielhaus in Bregenz, im Montforthaus sowie im Landeskonservatorium in Feldkirch, im Rahmen der Chor- und Orgeltage in Hohenems, in Altstätten (CH) sowie im Stephansdom in Wien.

https://www.chorakademievorarlberg.at

Das Orchester

Die „Sinfonietta Vorarlberg“ besteht im Wesentlichen aus Vorarlberger Berufsmusikern und wurde 1989 gegründet. Neben der rein orchestralen Musik widmet sich das Orchester vermehrt der Pflege von großen Chorwerken mit Orchesterbegleitung. So konnten seit dem Gründungsjahr verschiedenste Projekte mit Solisten und Chören aus dem In – und Ausland mit großem Erfolg zur Aufführung gebracht werden. Weitere Engagements führten die Sinfonietta Vorarlberg zum Internationalen Posaunenfestival in Feldkirch 1996, zum Österreichischen Bundeswettbewerb „Prima la Musica“ 2000 und zum Preisträgerkonzert des Bundeswettbewerbs „gradus ad parnassum“ 2004.

Besonders hervorzuheben sind das Engagement bei den Werdenberger Schlossfestspielen mit den Opern TOSCA, FIDELIO, FREISCHÜTZ, FGAROS HOCHZEIT, DER WILDSCHÜTZ und DER VERKAUFTEN  BRAUT unter der musikalischen Leitung von Günther Simonott, die mehrjährige Zusammenarbeit mit der Vorarlberger Chorakademie unter Markus Landerer sowie die Aufführung vom Mozart Requiem unter Manfred Honeck im April 2014.

2018 ist die Aufführung von Händels „Messias“ unter Benjamin Lack und das Abokonzert in Lustenau unter Tibor Benyi besonders hervorzuheben.

Zahlreiche Rundfunkaufnahmen, Live – Mitschnitte und eine CD – Produktion dokumentieren das vielfältige Repertoire des Orchesters.

Sinfonietta Vorarlberg schwarzweiß

Markus Landerer, Leitung

Markus Landerer ist seit 2007 Domkapellmeister am Wiener Stephansdom.

Geboren 1976 in Morondava (Madagaskar). Umfangreiche Studien in Kirchenmusik, Chorleitung und Orchesterdirigieren an den Musikhochschulen in München und Stuttgart (Orgel bei Harald Feller, Chorleitung bei Michael Gläser, Dirigieren bei Per Borin). Wichtige Anregungen erhielt er in Meisterkursen u. a. bei Peter Gülke, Marco Letonja, Johannes Kalitzke, Frieder Bernius, Stefan Parkman, Hans-Christoph Rademann und Eric Ericson.

Von 2002 bis 2006 Domkapellmeister am Dom St. Nikolaus in Feldkirch, von 2004 bis 2008 Leiter des Bregenzer Festspielchores und seit 2007 künstlerischer Leiter der Chorakademie Vorarlberg. Von 2003 bis 2011 unterrichtete Markus Landerer Dirigieren und Chorleitung am Vorarlberger Landeskonservatorium in Feldkirch. Als Chorleiter war er wiederholt zu Gast bei professionellen Chören wie dem Rias-Kammerchor in Berlin, dem Chor des norddeutschen Rundfunks in Hamburg und dem Chor des bayerischen Rundfunks in München. Markus Landerer hat sich als Orchester- wie als Chordirigent gleichermaßen ein breit gefächertes Repertoire erarbeitet und eine Reihe von Uraufführungen dirigiert.

Er stand am Pult renommierter Orchester wie den Wiener Symphonikern, den Stuttgarter Philharmonikern, dem Stuttgarter Kammerorchester, der Württembergischen Philharmonie Reutlingen, den Münchner und den Nürnberger Symphonikern, der Staatskapelle Halle, dem philharmonischen Staatsorchester Mainz, dem Österreichischen Ensemble für neue Musik und dem Symphonieorchester Vorarlberg. 2016 debütierte er als Dirigent in China und arbeitete seither mehrfach mit dem XMPo, dem philharmonischen Orchester der Stadt Xiamen im Südosten Chinas.

Mit den Ensembles der Wiener Dommusik – dem Wiener Domchor, dem Vokalensemble der Dommusik, dem Frauenensemble „Capella St. Stephan“, der Dom-Choralschola und dem Wiener Domorchester – pflegt Markus Landerer das gesamte Spektrum sakraler Musik, das von der Gregorianik bis in unsere Zeit reicht. Mit ihnen gestaltet er an fast allen Sonn- und Feiertagen des Jahres den Hauptgottesdienst um 10.15 Uhr, der immer auch live in „Radio Klassik Stephansdom“ gesendet wird.

Regelmäßig gastiert er mit der Wiener Dommusik auch im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins, der nächste Termin ist der 21. Dezember 2019.

Seiner Initiative ist es zu verdanken, dass derzeit im Wiener Stephansdom die so genannte „Riesenorgel“ auf der Westempore durch die Vorarlberger Orgelbaufirma Rieger erneuert und umgebaut wird. Nach 25 Jahren Schweigen wird sie am Ostersonntag 2020 als eine der größten Orgelanlagen in Europa wieder in vollem Glanz erklingen können.

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Werkbeschreibung

Antonin Dvořák, Stabat Mater

Nach dem so anders gearteten Stabat Mater von Gioacchino Rossini vor drei Jahren taucht die Chorakademie mit dem entsprechenden Werk von Antonín Dvořák tief in die Romantik ein. Antonin Dvořák kam 1841 als Sohn eines Metzgers und Gastwirts zur Welt, musste zunächst auch den väterlichen Beruf erlernen, kam aber 1857 zum Musikstudium nach Prag, wo er zunächst als Hauptinstrument Orgel studierte. Später war er als Bratscher Mitglied des Theaterorchesters. Sein Weg zum Berufsmusiker vollzog sich relativ langsam, doch gründlich und verantwortungsbewusst. Wie sein Förderer Brahms, durch dessen Fürsprache er ein österreichisches Staatsstipendium erhielt, war Dvořák sehr selbstkritisch, vernichtete zahlreiche Frühwerke oder revidierte sie in späteren Jahren. Einflüsse von Wagner und Brahms prägten ihn, und doch gelang es dem böhmischen Komponisten, seine ureigene Tonsprache zu finden. Nicht nur die „Slawischen Tänze“ und Rhapsodien sind durchzogen von folkloristischen Elementen, auch die Symphonien sind in ihrer melodischen Eingebungskraft getragen vom musikantischen Feuer, das der Komponist mit ausgeprägtem Klangsinn und Instrumentationskunst verarbeitet.

Nach großen Erfolgen in Europa mit den Slawischen Tänzen und vor allem im oratorienbegeisterten England (mit dem Stabat mater) wurde der Komponist für einige Zeit Direktor des Prager Konservatoriums und ging dann in entsprechender Funktion in den Jahren 1892-95 nach New York. Weltruhm verschafften ihm die berühmte 9. Symphonie Aus der Neuen Welt op. 95 und das Amerikanische Streichquartett op. 96, die bis heute die am meisten im Konzertsaal gespielten Werke geblieben sind. Zuvor hatte er mit der für die englische Philharmonic Society in London komponierten 7. Symphonie, der dramatischen Kantate  Die Geisterbraut, einem der größten Erfolge seines Lebens, und dem Oratorium Die heilige Ludmila  die Verbindungen nach England noch intensiviert. Auch das 1890 komponierte, ein Jahr später in Birmingham uraufgeführte Requiem profitiert von der Oratorientradition, die zuerst Händel, dann Haydn und im 19. Jahrhundert Felix Mendelssohn-Bartholdy und Louis Spohr mit ihren Werken bereichert hatten.

Das Stabat Mater schuf der tschechische Komponist in den Jahren 1876/77 aus innerem Drang, hatte er doch innerhalb kurzer Zeit drei seiner Kinder verloren und als gläubiger Mensch Trost in dem bekannten Text gefunden. Das mittelalterliche Gedicht Stabat mater dolorosa schildert in bewegenden gereimten Worten den Schmerz der Gottesmutter Maria unter dem Kreuz Jesu und die Reaktion des betenden Christen darauf. Auffällig ist die häufige Verwendung des Wortes fac: der betende Gläubige wird aufgefordert, durch seine Anteilnahme und sein Mit-Leiden Stellung zu beziehen. Wer diesen Text gedichtet hat, ist unbekannt. Er wurde unter anderen Papst Innozenz III (1160 – 1219), Giovanni Bonaventura (1221 – 1274) und für die heute gebräuchliche Fassung Iacopone da Todi (ca. 1235 – 1306) zugeschrieben. 1521 wurden die Verse ins Missale Romanum aufgenommen, später aber vom Konzil von Trient wieder aus der Gottesdienstmusik gestrichen. 1727 gelangte das Stück als Sequenz wieder in den Messetext, bald auch als Hymnus ins Brevier der Römischen Kirche. Seitdem gehört es wieder zur katholischen Liturgie. Zunächst beim Fest Septem Dolorum Beatae Mariae Virginis nach Palmsonntag verwendet, wurde es bei der Liturgiereform vom 2. Vati­kanischen Konzil auf den 15. September, den Tag Gedächtnis der Schmerzen Mariä verlegt. Dort wird es bis heute gebetet oder gesungen.

Unter den zahlreichen Vertonungen des Stabat Mater ist Dvořáks rund 90 Minuten dauerndes Werk die ausdrucksvollste: großes, romantisches Orchester, Chöre im Wechselgesang mit den Solisten, innige Melodien, die ins Ohr gehen, spiegeln die Trauer und spenden Trost. Dvořák spannt einen großen Bogen über die insgesamt 10 Teile des Werks, den überwiegend lyrisch und schlicht gehaltenen Sätzen steht im letzten Satz eine grandiose Steigerung und Überhöhung mit der Vorstellung des Paradieses (paradisi gloria) und dem acht- bis zwölfstimmig gesetzten Amen gegenüber. Als das Stabat mater am 23. Dezember 1880 in Prag erstmals aufgeführt wurde, erlebte es einen überwältigenden Erfolg, der wesentlich zur dauerhaften Festigung der Beliebtheit von Dvořáks Musik beitrug.

Die Orchestereinleitung hebt mit leeren Oktavklängen an, öffnet gleichsam einen Klangraum, der von den charakteristischen chromatisch absteigenden Linien gefüllt wird. Wenn dann der Chortenor, später die übrigen Stimmen einsetzen, nimmt man teil an den stammelnden, schmerzlichen, stockenden Lautäußerungen des Chors,  vereint in der Trauer und in der Erschütterung. Im Mittelteil singen sich Solostimmen und Chor einander zu, ein erster Höhepunkt wird mit dem Zusammenschluss von Soloquartett und Chor erreicht. Der erste Teil verklingt im Pianissimo, über rund 20 Minuten hat der Hörer, die Hörerin die ganze Bandbreite von Klangfülle und fein gestaffelter Dynamik erlebt. Der nächste Abschnitt ist den vier Solisten vorbehalten: Quis est homo – wer ist der Mensch, der nicht weinen würde – nacheinander stellen die Solisten die Frage in einer seufzenden Figur und einer besonderen Ausgestaltung der Worte, immer mehr verschlingen sie sich, bis alle vier Stimmen beteiligt sind, sich wieder voneinander lösen. Der dritte Satz Eja mater fons amoris beginnt als verhaltener Trauermarsch, sammelt sich im Aufschrei Fac (Mach!) und einem verinnerlichten lyrischen Teil. Dvořáks Ausdrucksmittel sind ungemein reich, wie auch der vierte Satz Fac, ut ardeat cor meum – mach, dass mein Herz brenne zeigt: einem flehenden Bass-Solo in b-Moll steht ein schwebender Frauenchor in Es-Dur, später in E-Dur gegenüber, begleitet von der nur in diesem Satz vorgesehenen Orgel und hohen Holzbläsern. Die unterschiedlichen Register und Tonarten heben sich im weiteren Verlauf auf. Ein schwingender Sechsachteltakt bestimmt den ersten Teil des allein dem Chor vorbehaltenen Tui nati vulnerati, die innige Stimmung wird auch durch die zarten Holzbläser und Streicher betont. Dramatischer wird es im Mittelteil mit der dringlichen Botschaft, die Qualen zu teilen. Erneut wechselt die Stimmung mit der volkstümlich gehaltenen Melodie des Solotenors Fac me vere tecum flere im Wechselgesang mit dem Männerchor. Ganz schlicht, fast wie ein a-cappella-Chor wird Maria in Virgo virginum praeclara angesungen, doch natürlich verdichten sich auch hier die musikalischen Mittel zu großem Ausdruck. Im innigen Zwiegesang vereinen sich die Solosopranistin und der Tenor im Fac, ut portem christi mortem: gegenseitig ermuntern sie sich, regen sich an, das Kreuz zu tragen. Mit flammendem Schwert tritt gleichsam die Altsolistin im vorletzten Satz Inflammatus auf, glutvoll, ausdrucksstark und getragen vom Orchester. Damit ist der Boden bereitet für den großartigen Schlussgesang mit seinem Miteinander von Soloquartett, Chor und großem Orchester: Die Stimmen schaukeln sich hoch zum paradisi gloria, zum achtstimmigen Geflecht des Amen und dem a-cappella-Einschub, der dem Chor ebenso wie dem Publikum Gänsehautschauer über den Rücken jagt. Noch einmal lässt Dvořák die Themen aus dem Einleitungssatz erklingen, verschränkt und führt sie versöhnlich nach D-Dur und beendet das eindringliche Werk in einem großen Ausatmen der Streicher. Trauer und Schmerz sind durch Hoffnung und Zuversicht überwunden.

Katharina von Glasenapp

Der Text

Programmheft

Hintergrundinformationen zum Text und verschiedene Übersetzungen sind hier zu finden.

Informationen

Eintritt CHF 30.00 / Jugendliche bis 18 Jahre frei
Türöffnung ab 17.15 Uhr / freie Platzwahl
Vorverkauf ab 18. Februar 2019:
Reise-Treff Steiger AG, Altstätten
Tel. +41 71 755 66 27, reisetreff.steiger@bluewin.ch