ALTSTÄTTER
KONZERTZYKLUS

Samstag, 6. Januar 2018
20.00 Uhr
Klosterkirche Maria Hilf Altstätten

Dreikönigs-
konzert

Ensemble Viatoribus zum Gehr-Gedenken

Katharina Haun, Zink
Phillip Edvard Boyle, Posaune
John Martling, Laute
Adrien Pièce, Truhenorgel
Mirjam Striegel, Gesang

Viatoribus _website

Viatoribus

die Musiker und Musikerinnen

 Das Ensemble “Viatoribus” wurde im Herbst 2015 an der Schola Cantorum Basiliensis gegründet um die Musik des 17. Jarhunderts in all ihren Facetten musikalisch zu erforschen und zu Gehör zu bringen. Die Arbeit mit Quellen, das Spielen aus historischem Notenmaterial und der Versuch alle Freiheiten in Besetzung, Ornamentierung und Arrangement nach historischem Vorbild auszukosten ist ein Schwerpunkt der Arbeit des Ensembles. Im gemeinsamen Erarbeiten dieser wenig gehörten Musik versuchen sich die Musizierenden jedes Stück ihr eigen zu machen. Die fünf jungen Musiker stammen aus fünf Ländern und sind alle international als Solisten und Ensemblemusiker tätig. Im Mai 2017 hat das Ensmeble den Romanus-Weichlein-Preis beim internationalen HIF-Biber-Wettbewerb in St. Florian (AUT) gewonnen. Tourneen führten sie bereits nach Österreich, Norwegen und Deutschland, im Jahr 2018 zusätzlich nach Litauen und Kolumbien.

Katharina Haun
Katharina Haun ist in Österreich aufgewachsen. Sie begann ihre musikalische Ausbildung in früher Kindheit und schloss ihr Abitur 2007 mit Auszeichnung vom Musikgymnasium, in ihrer Heimatstadt Graz ab.

Bereits mit 14 Jahren durfte Sie im Begabtenlehrgang an der Musikuniversität in Graz Blockflöte studieren, wo sie später auch ihr Bachelordiplom abschloss und ebenso Musikpädagogik studierte. Anschließend schloss sie 2014 ihr Masterdiplom mit Auszeichnung am Mozarteum Salzburg ab. Ihre musikalische Tätigkeit, drückt sich auch in der Vielseitigkeit ihrer Aktivitäten aus.

Derzeit lebt sie in Basel, Schweiz und studiert Zink an der Schola Cantorum Basiliensis. Sie arbeitet als freischaffende Musikerin, solistisch und als Ensemblemusikerin. Sie ist als Chorleiterin aktiv und forscht im musikwissenschaftlichen Bereich vor allem in Bezug auf österreichische Musik des 17. Jahrhunderts. Dies führte sie als Vortragende bereits zu unterschiedlichen Konferenzen in Europa.

Phillip Edvard Boyle
Der norwegische Posaunist wurde in Molde geboren, wo er auch seine erste musikalische Ausbildung erhielt. Seine weiterführende Ausbildung zum professionellen Musiker führten ihn an die Toneheim Volkshochschule. Den Militärdienst absolvierte er in der angesehenen King’s Guard Militärmusik, anschließend absolvierte er ein Bachelorprogramm in Konzertfach und Pädagogik Posaune an die Universität Stavanger. Nach Unterricht bei Per Kristian Svensen in Norwegen und Edgar Manyak in der Schweiz, sowie zahlreichen Meisterkursen bei Ian Bousfield, Joe Alessi, James Markey and Denson Paul Pollard und anderen, legte er seinen Fokus in den letzten Jahren auf historisch informierte Aufführungspraxis und Instrumente. Derzeit studiert er im Konzertfachstudium der Schola Cantorum Basiliensis bei Charles Toet und Mike Svoboda und arbeitet als freischaffender Musiker, sowie in Ensembles wie Viatoribus und einem Duo mit der Pianistin Marie Pedersen.

John Martling
John Martling wurde in Schweden geboren und begann sein Studium in alter Musik und Laute an der Royal Academy Stockholm, nachdem er seine Ausbildung am Musikgymnasium Södra Latins abschloss. Anschließend zog er nach Mailand, wo er sein Studium bei Francesca Torelli am Conservatorio di Musica „Giuseppe Verdi“ weiterführte.

Er lebt derzeit in Basel und ist Lautenstudent von Peter Croton an der Schola Cantorum Basiliensis, wo er barocke Lautentechnik und Aufführungspraxis erforscht. Neben seinem Studium ist er aktiver freischaffender Ensemblemusiker in der Schweiz, Frankreich und Schweden.

Adrien Pièce
Adrien Pièce ist gebürtiger Schweizer, studierte zuerst Klavier, Orgel und Cembalo in Lausanne bei Pierre-Alain Clerc und Jovanka Marville, und dann in Basel an der Schola Cantorum Basiliensis bei und Andrea Marcon, Jörg-Andreas Bötticher und Lorenzo Ghielmi. Er schloss 2014 seinen Master im Fach historischen Tasteninstrumenten mit Auszeichnung ab. Zusätzlich arbeitete er stets im Bereich der historischen Improvisation mit Rudolf Lutz und besuchte viele Meisterkurse bei Jan Willem Jansen, Wolfgang Zerer, Michel Bignens und Luigi Ferdinando  Tagliavini. Als Preisträger ging er bei verschiedensten Wettbewerben  hervor, so zum Beispiel beim Concorso di clavicembalo G. Gambi Pesaro (1. Preis), Hofhaimer Wettberb Innsbruck (3. Preis) oder dem Concorso organistico internazionale di Fano Adriano (2. Preis).

Er tritt regelmäßig in Konzerten in ganz Europa auf, als Solist und gemeinsam mit verschiedenen Alte Musik Ensembles. U.a. 2015 spielte er die Goldberg Variationen von J. S. Bach im Wiener Konzerthaus beim Alte-Musik-Festival Resonanzen. Seit dem Jahr 2016  führt er ein Forschungsprojekt zum Thema Improvisation an Tasteninstrumenten in Rom im XVII. Jh, bei der Universität Leyden (DocARTES, europäisches Doktorat-Programm für Künstlerische Forschung). Er ist derzeit Organist des Temples de Chavannes-Epenex (Lausanne).

Mirjam Striegel
Mirjam Striegel, geboren in Deutschland, studiert derzeit im Master, an der Schola Cantorum Basiliensis bei Evelyn Tubb, parallel dazu ist sie Teil des Studienprogramms Advanced Vocal Ensemble Studies (“AVES”) bei Anthony Rooley und Evelyn Tubb.

Zuvor studierte sie Gesang und Musiktheater an der Hochschule für Musik Würzburg bei Monika Bürgener, welches sie im Sommer 2014 mit Diplom abschloss. Zusätzlich zu ihren regulären Studien besuchte sie Meisterkurse bei Juliane Banse, Gerhild Romberger, Emma Kirkby, Peter Koij, Margreet Honig und anderen.

Sie konzertiert regelmäßig als Solistin im In-und Ausland.

Das Singen im Ensemble (z.B. Kammerchor Stuttgart, Gaechinger Cantorey, Balthasar-Neumann-Chor) ist fester Bestandteil ihres musikalischen Schaffens.

Programm

Ferdinand III  (1608 – 1657)
Deus, tuorum militum (1649)

Marco Antonio Ferro  (ca. 1600 – 1662)
Aus 12 Sonaten (1649)   Sonata 5

Philipp Friedrich Böddecker  (1607 – 1683)   
Aus Sacra Partitura (1651)   Natus est Jesu

Wilhelm Biener  (1590 – 1651)
Aus Promptuarii Musici, Band 1 (1622)   Angelus ad Pastores

Caspar Ferdinand Fischer  (1656 – 1746)
Aus Ariadne musica (1702)   Ricercar pro Festis Natalytis

Aus dem Archiv der Münchner Hofkapelle
Handschrift (ca. 1590)   Der Tag der ist so freudenreich

Urban Loth  (um 1580 – 1636)
Aus Musa Melica (1616)   O radix Jesse

Christian Erbach    (1568 – 1635)
Aus einer Orgeltabulatur (um 1580)   A solis ortus cardine

Urban Loth
Aus Promptuarii musici, Band 1    Gloria in excelsis Deo

Giovanni Valentini  (ca. 1582 – 1649)
Aus Handschrift P. B. Lechler (1633 – 39)   Canzon a doi

Samuel Capricornus  (1628 – 1665)
Aus Theatrum Musicum (1669)  Adesto Multitudo

Das Weihnachtsprogramm des Ensembles „Viatoribus“ gibt einen Einblick in die Musikwelt des 17.Jahrhunderts mit Fokus auf dem süddeutschen Raum. Sammlungen und Einzelwerke aus Wien, Kremsmünster, Passau, Augsburg, Stuttgart und München werden zu Gehör gebracht.

Die Vokalwerke orientieren sich thematisch an der Jahreszeit. Die Instrumentalwerke von Giovanni Valentini und Marco Antonio Ferro stammen vom Wiener Hof, welcher seine Hofkapelle in dieser Zeit trotz 30-jährigen Kriegs noch vergrößerte und zu Repräsentationszwecken einsetzte. Alle Höfe im deutschen Raum strebten danach eine Hofkapelle nach Wiener Vorbild aufzubauen. Die musikalische Begeisterung von Ferdinand II, Dienstgeber Valentinis und Ferros ging so weit, dass sein Sohn Kompositionsunterricht von Valentini erhielt und selbst als Komponist tätig war. Eines der Werke Ferdinand III erklingt daher gleich zu Beginn unseres Programms.

Philipp Friedrich Böddecker und Samuel Capricornus waren beide in Stuttgart tätig und dort auch Konkurrenten um die Stelle des Hofkapellmeisters, welche nach langem Streit an Capricornus ging. Dieser arbeitete in jungen Jahren u.a. in Wien, was wiederum seine Verbindung zum Habsburgerhof und den italienischen Einfluss in dessen Kompositionsstil widerspiegelt. Wilhelm Biener war ein musikliebender Jurist im Innsbrucker Raum von dem uns nur zwei kleine geistliche Konzerte, in der Sammlung aus der das Ensemble musiziert, erhalten blieben. Caspar Ferdinand Fischer und Christian Erbach waren beide in Augsburg tätig, Erbach jedoch am Beginn der Barockzeit und seine Werke lassen noch deutliche Einflüsse der Renaissance erkennen, während Fischer bereits ins 18. Jahrhundert und somit in die hochbarocke Schule gehört. Urban Loth war lange Jahre als Domorganist in Passau tätig.

Die Höfe standen generell in enger Verbindung zueinander und durch die gesamte Barockzeit war eine deutliche Orientierung an Italien erkennbar. Regelmäßig wurden Hofkapellmeister nach Italien geschickt um Noten und Instrumente zu kaufen oder Musiker zur „Fortbildung“ an einen italienischen Hof gesendet.

Das Programm spannt einen Bogen durch diese farbenreiche musikalische Epoche, welche noch viele ungehörte Schätze zu bieten hat.

Informationen

Eintritt frei – Kollekte